Die Kirche im Nationalsozialismus
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Top Comments (10)
Mein Urgroßonkel war Pfarrer und er hat Juden in seiner Kirche versteckt er hat den Krieg überlebt wurde aber von der Gestapo überwacht
Super interessantes Buch dazu: „Habe ich denn allein gejubelt“ von Eva Sternheim-Peters. Hat uns unsere Geschichtslehrerin immer ans Herz gelegt und es ist wirklich eine Bereicherung. Es geht nicht nur um die Kirche, sondern um breitgefächerte Themen rund ums 3. Reich
Ein Enkel von Dietrich Bonnhöfer hat meinen Konfirmationsunnterricht geleitet.
Nabend Mirko, erstmal Grüße aus dem Murgtal. Ich habe mit zweien meiner Großeltern über dem Krieg und ihre Erfahrungen gesprochen. Väterlicherseits: Ich habe meinen Großvater nie kennengelernt er starb als mein Vater noch ein Kind war. Meine Großmutter erzählte mir, dass er in Frankreich in Kriegsgefangenschaft war und auf einem Weingut arbeiten musste. Die arbeit scheint ihm aber gefallen zu haben. Nach Ende des Krieges haben sie sich gegenseitig hin und wieder besucht, bis zu seinem Tode. Meine Großmutter hat über die Nazis nicht viel gesprochen. Sie hat mir nur davon berichtet wie Gaggenau bombardiert wurde und als der Fliegeralarm anfing zu heulen war sie gerade auf dem Feld und hat gearbeitet. Sie sagte die russischen Kriegsgefangenen hätten sich zum Schutz der Frauen auf sie geworfen. Mütterlicherseits: Mein Großvater war noch ein Kind, die Hitlerjugend fand er interessant und hat sie aus kindlicher Sicht mit den Pfadfindern verglichen. Im Spiel mit Feuer am Bahnhof haben sie als Kinder versehentlich einen Wagon angezündet welcher mit Munition beladen war, dafür gab es nach dem Krieg einen Orden, wenn man dies für Zivilisten so nennen kann, von den Alliierten. Gegen Ende des Krieges sollte er als Kindersoldat eingezogen werden. Seine Mutter hat ihn daraufhin mit seinem Großvater und den Rindern die Alm hoch geschickt wo sie sich verstecken sollten, was auch funktioniert hat. Das ist was man mir aus erster Hand berichtet hat, leider nicht all zu viel direkt über die Nazis aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht.
Danke Mirko und danke an das Team! Ein guter Einblick in den Kirchen unter dem NS-Regime.
Sehr interessantes Video. Bei dem Thema muss ich an einen damaligen (katholischen) Lehrer denken, der auch während der NS-Zeit tätig war. Ich kenne seine Geschichte aus seiner originalen Lehrerakte. Das, was ich vom Lesen dieser Akte noch weiß, trage ich gerne zu diesem Video bei. Denn ich musste beim Zusehen die ganze Zeit daran denken. Die Geschichten sind ja ähnlich, wenn auch die im Video fiktiv ist. Wen es interessiert, lade ich gerne ein, weiterzulesen. :) Vorab zur Erklärung, wie ich in solchen originalen Quellen lesen konnte. Diesen Sommer habe ich ein Praktikum in einem Landesarchiv gemacht. Dort durfte ich u.a. viel mit Lehrerakten arbeiten, die alle zwischen den Jahren von 1816-1945 laufen konnten. Klingt vielleicht langweilig, wenn man so von Akten spricht, aber es war echt interessant, jede Akte ist anders und teilweise konnte man sich durch das (fast) ganze Leben eines echten Menschen lesen. Natürlich hauptsächlich beruflich, aber damals wurden viele Dinge in solchen Akten festgehalten, die auch das weitere Leben der Personen beschreibt. Teilweise auch so persönliche Dinge, wo man sich aus heutiger Sicht schon allein datenschutztechnisch nur an die Stirn fassen würde. Viele dieser Akten reichen natürlich auch in die NS-Zeit herein, erfassen diese ganz oder fangen auch erst dort an. Je nachdem wann die Karriere der einzelnen Lehrer anfing. Die meisten Lehrer waren dem Nationalsozialismus zugewandt oder haben einfach mitgemacht, ohne etwas zu unternehmen. Aber ich hatte auch Akten von Lehrern, die sich offen gegen das NS-Regime ausgesprochen haben. Auch wenn es von den ganzen Akten, die ich verzeichnet habe, wie zu erwarten, leider nicht viele waren. Tatsächlich sind es von diesen am häufigsten sogar geistliche Studienräte gewesen, die offen zugaben, den Nationalsozialismus (teilweise) abzulehnen. Bevor ich von dieser Akte erzähle, die mir vor allem in diesem Zusammenhang im Kopf hängen geblieben ist, möchte ich erwähnen, dass ich diese nur gelesen habe und das alles aus meinem Gedächtnis wiedergebe. Es ist kein wissenschaftlicher Bericht und nichts hiervon ist in irgendeiner Weise repräsentativ. Ich möchte nur einen Teil meiner wundervollen Erfahrung, die ich im Archiv sammeln durfte, hier Teilen. In der Hoffnung, es liest jemand, den es vielleicht interessiert. ---------------------------------------------------- Der Lehrer dieser einen Akte war in erster Linie ein katholischer Religionslehrer. Wie so oft wurde auch gegen ihn ein "Untersuchungsverfahren mit dem Ziel der Versetzung in den Ruhestand" eingeleitet, um unliebsame Lehrer wie ihn, "auszusortieren". In diesem Fall ereignete es sich so um 1938 herum. Der Direktor der Schule, an der dieser Lehrer tätig war, hatte (grob erklärt) in einer Konferenz ein Referat über die "romkirchliche Einkreisungspolitik" gehalten. In diesem hatte er die katholische Kirche vor allem von Rom ausgehend, als klare Feinde des Nationalsozialismus erklärt usw. Der geistliche Lehrer hatte sich im Anschluss des Referats zu Wort gemeldet und drückte dem gegenüber seinen klaren Unmut aus. Unter anderem sagte er, dass er sich gegen die Verwendung des Wortes "Weltanschauung" (im Sinne der Nazis) wenden müsse, denn für ihn gäbe es nur eine einzige. Und zwar die des Gottes der christlichen Kirche. Auch hat er es für falsch erklärt, dem heiligen Vater, so wie vom Direktor behauptet, politische Ziele vorzuwerfen. Dazu würde er von solchen Referaten in schwere seelische Konflikte gelangen. Dadurch, dass er dies offen erklärte, wurde natürlich ein Untersuchungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Denn aus Sicht der Nazis konnte man so einen Lehrer, der nicht in erster Linie rückhaltlos hinter dem nationalsozialistischen Staat steht, die Jugend unterrichten lassen. In der Akte war das ganze Verfahren enthalten. Auch die Vernehmung des Lehrers war dort aufgeführt. Dort hat er beispielsweise erklärt, dass in Sachen Weltanschauung Gott der höchste Wert für ihn ist und davor alle anderen Werte wie "Rasse, "Blut" und "Volk", relative Werte wären. "Rasse" und "Blut" wären zwar auch Werte, aber beim Menschen sei es immer die Seele, die für ihn als erster Wert zählt. Ich meine, er sagte auch, dass seiner Ansicht nach keiner das Recht habe, einen anderen Menschen wegen seiner Weltanschauung anzugreifen. Erst recht, weil das Verhältnis zwischen Staat und Kirche so angespannt sei, könne er die Weltanschauung von Hitler nur teilweise anerkennen. Das "Kulturprogramm" hob er diesbezüglich in Sachen Anerkennung als einziges hervor, ging aber auch nicht darauf ein. Auch sagte der Lehrer, dass er sich trotz alle dem an die gegebenen Gesetze des Staates halten will. Er machte ebenfalls klar, er würde seine Ansichten und Überzeugungen immer wieder verteidigen, weil er sich sonst selbst wie ein Heuchler vorkommen würde. Nebenbei erwähnt, fand ich es schon auch ein wenig bezeichnend, dass der Lehrer sogar dazu befragt wurde, weshalb er den "deutschen Gruß" nicht mit richtigem Enthusiasmus erwidert. Aber das war denen ja bekanntlich tatsächlich wichtig... Ungefähr ein Jahr später wurde er dann in den Ruhestand versetzt. Ich glaube, ich hatte nachgerechnet. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Lehrer zu diesem Zeitpunkt ungefähr 53. Das war für damals auch kein übliches Rentenalter. Aber naja, er war denen natürlich ein Dorn im Auge und musste weg. Wie sein weiteres Leben nach Versetzung in den "Ruhestand" aussah, kann ich leider nicht sagen, weil seine Lehrerakte dort logischerweise endete. ---------------------------------------------------- Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass dieser Lehrer nicht mit dem Nationalsozialismus einverstanden war und dies auch immerhin stets offen bekundet hat. Dennoch, denke ich, hatte er an manchen Stellen versucht zu beschwichtigen, um den Nazis vielleicht nicht komplett übel aufzustoßen. Das ist aber nur mein persönliches Gefühl, welches ich nur durch das reine Lesen der Akte bekommen habe. Aktiv durch Taten ist er aber auch nicht gegen die Nazis vorgegangen. Zumindest ging das nicht aus dieser Akte hervor. Das war jetzt aber auch nur ein Beispiel eines christlich religiösen Lehrers, der im ziemlichen Dilemma/Zwiespalt zwischen NS und Kirche stand, der mir während meiner Arbeit mit den Akten untergekommen ist. Glaubt mir, man hört solche Geschichten/Berichte über diese Zeit zwar auch beispielsweise im Unterricht, Dokus oder in Videos wie z.B. hier von Mirko. Aber es ist noch mal etwas ganz anderes, eine echte, originale Quelle von damals selbst in der Hand zu halten, zu lesen und dabei das alte Papier zu riechen. Es ist echt! Auch wenn für mich so oder so nie ein Zweifel bestehen würde, dass diese schreckliche Zeit bittere Wirklichkeit war, haben es mir die echten Dokumente in meiner Hand noch einmal auf ganz andere Weise verdeutlicht. Zum Beispiel hatte auch noch eine andere Akte vor mir liegen, an dessen Ende plötzlich stand, dass dieser Lehrer von der GESTAPO verhaftet und anschließend ins Konzentrationslager gebracht wurde. Da wird einem noch mal ganz anders bei, wenn man es auf dem originalen Dokument mit den eigenen Augen liest. Ich hoffe, man versteht, was ich meine. Ich kann echt nicht verstehen, wie manche Leute diese grauenhafte Zeit und diese widerwärtigen Taten allen Ernstes leugnen können. Wo doch jeder in der Lage ist, sich die Beweise dafür selbst anzusehen. Dafür muss man nur in ein Archiv oder Museum gehen oder die Gedenkstätten besuchen! Wie können manche das Ganze ernsthaft herunterspielen oder gar leugnen. Ich verstehe es nicht... Aber das ist auch ein anderes Thema. Danke an jeden, der sich den kompletten Kommentar durchgelesen hat. :)
Vielen Dank Dir, als Christ fragt man sich ja schon öfters, wie die Kirche sich in der Vergangenheit aber auch Gegenwart gegnüber solchen Figuren verhält. Deswegen finde ich es auch gut, dass das Thema im Religionsunterricht in der Schule behandelt wird. An wen ich noch immer denke, der in der NS-Zeit sich gegen den Nationalsozialismus gestellt hat, ist Pater Rupert Mayer. Er ist zwar nicht sehr bekannt, erzählt aber auch eine inspirierende Geschichte. Definitv wert nachzuschauen.
Wir hatten das Thema letztes Jahr im Religionsunterricht, war sehr interessant. Daher freue ich mich das du jetzt ein Video gemacht hast :)
Cool, genau das Thema, was wir gerade in Reli haben. Danke für deine Mühen!
Interessantes Thema ✝️👍
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Mein Urgroßonkel war Pfarrer und er hat Juden in seiner Kirche versteckt er hat den Krieg überlebt wurde aber von der Gestapo überwacht
Super interessantes Buch dazu: „Habe ich denn allein gejubelt“ von Eva Sternheim-Peters. Hat uns unsere Geschichtslehrerin immer ans Herz gelegt und es ist wirklich eine Bereicherung. Es geht nicht nur um die Kirche, sondern um breitgefächerte Themen rund ums 3. Reich
Ein Enkel von Dietrich Bonnhöfer hat meinen Konfirmationsunnterricht geleitet.
Nabend Mirko, erstmal Grüße aus dem Murgtal. Ich habe mit zweien meiner Großeltern über dem Krieg und ihre Erfahrungen gesprochen. Väterlicherseits: Ich habe meinen Großvater nie kennengelernt er starb als mein Vater noch ein Kind war. Meine Großmutter erzählte mir, dass er in Frankreich in Kriegsgefangenschaft war und auf einem Weingut arbeiten musste. Die arbeit scheint ihm aber gefallen zu haben. Nach Ende des Krieges haben sie sich gegenseitig hin und wieder besucht, bis zu seinem Tode. Meine Großmutter hat über die Nazis nicht viel gesprochen. Sie hat mir nur davon berichtet wie Gaggenau bombardiert wurde und als der Fliegeralarm anfing zu heulen war sie gerade auf dem Feld und hat gearbeitet. Sie sagte die russischen Kriegsgefangenen hätten sich zum Schutz der Frauen auf sie geworfen. Mütterlicherseits: Mein Großvater war noch ein Kind, die Hitlerjugend fand er interessant und hat sie aus kindlicher Sicht mit den Pfadfindern verglichen. Im Spiel mit Feuer am Bahnhof haben sie als Kinder versehentlich einen Wagon angezündet welcher mit Munition beladen war, dafür gab es nach dem Krieg einen Orden, wenn man dies für Zivilisten so nennen kann, von den Alliierten. Gegen Ende des Krieges sollte er als Kindersoldat eingezogen werden. Seine Mutter hat ihn daraufhin mit seinem Großvater und den Rindern die Alm hoch geschickt wo sie sich verstecken sollten, was auch funktioniert hat. Das ist was man mir aus erster Hand berichtet hat, leider nicht all zu viel direkt über die Nazis aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht.
Danke Mirko und danke an das Team! Ein guter Einblick in den Kirchen unter dem NS-Regime.
Sehr interessantes Video. Bei dem Thema muss ich an einen damaligen (katholischen) Lehrer denken, der auch während der NS-Zeit tätig war. Ich kenne seine Geschichte aus seiner originalen Lehrerakte. Das, was ich vom Lesen dieser Akte noch weiß, trage ich gerne zu diesem Video bei. Denn ich musste beim Zusehen die ganze Zeit daran denken. Die Geschichten sind ja ähnlich, wenn auch die im Video fiktiv ist. Wen es interessiert, lade ich gerne ein, weiterzulesen. :) Vorab zur Erklärung, wie ich in solchen originalen Quellen lesen konnte. Diesen Sommer habe ich ein Praktikum in einem Landesarchiv gemacht. Dort durfte ich u.a. viel mit Lehrerakten arbeiten, die alle zwischen den Jahren von 1816-1945 laufen konnten. Klingt vielleicht langweilig, wenn man so von Akten spricht, aber es war echt interessant, jede Akte ist anders und teilweise konnte man sich durch das (fast) ganze Leben eines echten Menschen lesen. Natürlich hauptsächlich beruflich, aber damals wurden viele Dinge in solchen Akten festgehalten, die auch das weitere Leben der Personen beschreibt. Teilweise auch so persönliche Dinge, wo man sich aus heutiger Sicht schon allein datenschutztechnisch nur an die Stirn fassen würde. Viele dieser Akten reichen natürlich auch in die NS-Zeit herein, erfassen diese ganz oder fangen auch erst dort an. Je nachdem wann die Karriere der einzelnen Lehrer anfing. Die meisten Lehrer waren dem Nationalsozialismus zugewandt oder haben einfach mitgemacht, ohne etwas zu unternehmen. Aber ich hatte auch Akten von Lehrern, die sich offen gegen das NS-Regime ausgesprochen haben. Auch wenn es von den ganzen Akten, die ich verzeichnet habe, wie zu erwarten, leider nicht viele waren. Tatsächlich sind es von diesen am häufigsten sogar geistliche Studienräte gewesen, die offen zugaben, den Nationalsozialismus (teilweise) abzulehnen. Bevor ich von dieser Akte erzähle, die mir vor allem in diesem Zusammenhang im Kopf hängen geblieben ist, möchte ich erwähnen, dass ich diese nur gelesen habe und das alles aus meinem Gedächtnis wiedergebe. Es ist kein wissenschaftlicher Bericht und nichts hiervon ist in irgendeiner Weise repräsentativ. Ich möchte nur einen Teil meiner wundervollen Erfahrung, die ich im Archiv sammeln durfte, hier Teilen. In der Hoffnung, es liest jemand, den es vielleicht interessiert. ---------------------------------------------------- Der Lehrer dieser einen Akte war in erster Linie ein katholischer Religionslehrer. Wie so oft wurde auch gegen ihn ein "Untersuchungsverfahren mit dem Ziel der Versetzung in den Ruhestand" eingeleitet, um unliebsame Lehrer wie ihn, "auszusortieren". In diesem Fall ereignete es sich so um 1938 herum. Der Direktor der Schule, an der dieser Lehrer tätig war, hatte (grob erklärt) in einer Konferenz ein Referat über die "romkirchliche Einkreisungspolitik" gehalten. In diesem hatte er die katholische Kirche vor allem von Rom ausgehend, als klare Feinde des Nationalsozialismus erklärt usw. Der geistliche Lehrer hatte sich im Anschluss des Referats zu Wort gemeldet und drückte dem gegenüber seinen klaren Unmut aus. Unter anderem sagte er, dass er sich gegen die Verwendung des Wortes "Weltanschauung" (im Sinne der Nazis) wenden müsse, denn für ihn gäbe es nur eine einzige. Und zwar die des Gottes der christlichen Kirche. Auch hat er es für falsch erklärt, dem heiligen Vater, so wie vom Direktor behauptet, politische Ziele vorzuwerfen. Dazu würde er von solchen Referaten in schwere seelische Konflikte gelangen. Dadurch, dass er dies offen erklärte, wurde natürlich ein Untersuchungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Denn aus Sicht der Nazis konnte man so einen Lehrer, der nicht in erster Linie rückhaltlos hinter dem nationalsozialistischen Staat steht, die Jugend unterrichten lassen. In der Akte war das ganze Verfahren enthalten. Auch die Vernehmung des Lehrers war dort aufgeführt. Dort hat er beispielsweise erklärt, dass in Sachen Weltanschauung Gott der höchste Wert für ihn ist und davor alle anderen Werte wie "Rasse, "Blut" und "Volk", relative Werte wären. "Rasse" und "Blut" wären zwar auch Werte, aber beim Menschen sei es immer die Seele, die für ihn als erster Wert zählt. Ich meine, er sagte auch, dass seiner Ansicht nach keiner das Recht habe, einen anderen Menschen wegen seiner Weltanschauung anzugreifen. Erst recht, weil das Verhältnis zwischen Staat und Kirche so angespannt sei, könne er die Weltanschauung von Hitler nur teilweise anerkennen. Das "Kulturprogramm" hob er diesbezüglich in Sachen Anerkennung als einziges hervor, ging aber auch nicht darauf ein. Auch sagte der Lehrer, dass er sich trotz alle dem an die gegebenen Gesetze des Staates halten will. Er machte ebenfalls klar, er würde seine Ansichten und Überzeugungen immer wieder verteidigen, weil er sich sonst selbst wie ein Heuchler vorkommen würde. Nebenbei erwähnt, fand ich es schon auch ein wenig bezeichnend, dass der Lehrer sogar dazu befragt wurde, weshalb er den "deutschen Gruß" nicht mit richtigem Enthusiasmus erwidert. Aber das war denen ja bekanntlich tatsächlich wichtig... Ungefähr ein Jahr später wurde er dann in den Ruhestand versetzt. Ich glaube, ich hatte nachgerechnet. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Lehrer zu diesem Zeitpunkt ungefähr 53. Das war für damals auch kein übliches Rentenalter. Aber naja, er war denen natürlich ein Dorn im Auge und musste weg. Wie sein weiteres Leben nach Versetzung in den "Ruhestand" aussah, kann ich leider nicht sagen, weil seine Lehrerakte dort logischerweise endete. ---------------------------------------------------- Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass dieser Lehrer nicht mit dem Nationalsozialismus einverstanden war und dies auch immerhin stets offen bekundet hat. Dennoch, denke ich, hatte er an manchen Stellen versucht zu beschwichtigen, um den Nazis vielleicht nicht komplett übel aufzustoßen. Das ist aber nur mein persönliches Gefühl, welches ich nur durch das reine Lesen der Akte bekommen habe. Aktiv durch Taten ist er aber auch nicht gegen die Nazis vorgegangen. Zumindest ging das nicht aus dieser Akte hervor. Das war jetzt aber auch nur ein Beispiel eines christlich religiösen Lehrers, der im ziemlichen Dilemma/Zwiespalt zwischen NS und Kirche stand, der mir während meiner Arbeit mit den Akten untergekommen ist. Glaubt mir, man hört solche Geschichten/Berichte über diese Zeit zwar auch beispielsweise im Unterricht, Dokus oder in Videos wie z.B. hier von Mirko. Aber es ist noch mal etwas ganz anderes, eine echte, originale Quelle von damals selbst in der Hand zu halten, zu lesen und dabei das alte Papier zu riechen. Es ist echt! Auch wenn für mich so oder so nie ein Zweifel bestehen würde, dass diese schreckliche Zeit bittere Wirklichkeit war, haben es mir die echten Dokumente in meiner Hand noch einmal auf ganz andere Weise verdeutlicht. Zum Beispiel hatte auch noch eine andere Akte vor mir liegen, an dessen Ende plötzlich stand, dass dieser Lehrer von der GESTAPO verhaftet und anschließend ins Konzentrationslager gebracht wurde. Da wird einem noch mal ganz anders bei, wenn man es auf dem originalen Dokument mit den eigenen Augen liest. Ich hoffe, man versteht, was ich meine. Ich kann echt nicht verstehen, wie manche Leute diese grauenhafte Zeit und diese widerwärtigen Taten allen Ernstes leugnen können. Wo doch jeder in der Lage ist, sich die Beweise dafür selbst anzusehen. Dafür muss man nur in ein Archiv oder Museum gehen oder die Gedenkstätten besuchen! Wie können manche das Ganze ernsthaft herunterspielen oder gar leugnen. Ich verstehe es nicht... Aber das ist auch ein anderes Thema. Danke an jeden, der sich den kompletten Kommentar durchgelesen hat. :)
Vielen Dank Dir, als Christ fragt man sich ja schon öfters, wie die Kirche sich in der Vergangenheit aber auch Gegenwart gegnüber solchen Figuren verhält. Deswegen finde ich es auch gut, dass das Thema im Religionsunterricht in der Schule behandelt wird. An wen ich noch immer denke, der in der NS-Zeit sich gegen den Nationalsozialismus gestellt hat, ist Pater Rupert Mayer. Er ist zwar nicht sehr bekannt, erzählt aber auch eine inspirierende Geschichte. Definitv wert nachzuschauen.
Wir hatten das Thema letztes Jahr im Religionsunterricht, war sehr interessant. Daher freue ich mich das du jetzt ein Video gemacht hast :)
Cool, genau das Thema, was wir gerade in Reli haben. Danke für deine Mühen!
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